Gut Panker

GUT PANKER: Ole Liese, Hessenstein, Ostholstein

"Gut Panker ist ein über 500 Jahre altes Gut zwischen Lütjenburg und Schönberg in der holsteinischen Schweiz, direkt an der Ostseeküste. Es handelt sich dabei nicht um ein Museums-Gut, sondern um eine Guts- bzw. Dorfgemeinschaft im Besitz der Adelsfamilie von Hessen, welche übrigens noch heute das Schloss Panker privat bewohnt.

Gut Panker stand seit 1400 unter der Herrschaft der Grafschaft Rantzau, bis Hans von Rantzau den Besitz 1739 an Friedrich I., König von Schweden und zugleich regierender Landgraf von Hessen-Kassel, verkaufte.

1720 bestieg der auf Betreiben seiner Frau, der Königin Ulrika Eleonora, einer Schwester König Karls XII., den schwedischen Thron. Seine Ehe blieb kinderlos. Doch war der König außerdem der Gräfin Hedwig Ulrike Taube - la Belle Colombe - (= die schöne Taube) genannt - zugetan und ihr in morganatischer Ehe, also zur linken Hand, verbunden. Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor. Um die Zukunft seiner beiden Söhne zu sichern, die von der schwedischen Thronfolge ausgeschlossen waren, suchte der König nach einem umfangreichen Landbesitz und erwarb 1741 zusätzlich die angrenzenden Güter Schmoel und Hohenfelde. Noch im gleichen Jahr wurden beide Söhne vom Kaiser zu Grafen von Hessenstein erhoben.

Der älteste Sohn Wilhelm wurde 1792 in den Reichsfürstenstand erhoben und herrschte fortan als Fürst Wilhelm von Hessenstein über das Gut. Der allseits beliebte Fürst war bekannt für seine Großzügigkeit und sein gutes Herz. Das ließ er auch sein treues Reitpferd spüren, das auf den Namen Liese hörte. Als das Tier eine alte Dame geworden war, bschloss ihr Herr, sie in eine verdiente Pension zu entlassen. Um ihr ein schmackhaftes Gnadenbrot zu sichern, gab er die Stute in die Obhut seines Reitknechts und belohnte diesen dafür mit einer Schanklizenz. Das Bauernhaus, gegenüber vom Schloß Panker gelegen, das dem Reitknecht seitdem als Wohnung und zum Ausschank seines Branntweins diente wurde Ole Liese (= alte Liese) getauft.

Heute befindet sich in diesem Haus ein Gourmetrestaurant, dessen Eingang noch immer den Wahlspruch des Hauses ziert: "In de ole Liese, hier geiht dat na de ole Liese, de Wert de süpt dat Beste, segt prost, mien lieven Gäste.""

(Quelle: www.ole-liese.de)

 

Hamburger Abendblatt: Gut Panker und Ole Liese

Artikel aus den Hamburger Abendblatt:

Ostholsteins fürstliches Ambiente

Kleine Fluchten

Von Michael Pasdzior

"Ins liebliche Ostholstein setzt Gut Panker auf dem schmalen Landstreifen zwischen Ostsee und Selenter See einen Glanzpunkt. Panker hat eine lange Historie vorzuweisen. Die ersten Besitzer gehörten zum alten Geschlecht der Rantzaus, später war das Gut Eigentum des Fürsten von Hessenstein. Heute ist es nach intensiven Bemühungen des Landgrafen Philipp und seines Sohnes Moritz von Hessen zu alter, beinahe schon verlorener Schönheit zurückgeführt. Der barocke Garten wurde im französischen Stil neu angelegt. Das schlossartige Herrenhaus, leider nicht zu besichtigen, fügt sich vorzüglich in die Landschaft ein.

Nur einen Steinwurf entfernt liegt die "Ole Liese". Als erstes fällt dem Gast hier das Schild über der Eingangstür auf, worauf zum Bild eines Pferdes zu lesen ist: "In de ole Liese, hier geiht dat na de ole Wiese, de Werth de süpt das Beste, segt Prost, mien leven Gäste". Der Vers wird dem Fürsten von Hessenstein zugeschrieben, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts seinem Reit- und Wagenknecht Behrens sein altes treues Reitpferd anvertraute. Als Gegenleistung für sein Versprechen, dem alten Ross bis zu seinem Tod das Gnadenbrot zu sichern, erhielt er eine Schankwirtschaft mit Konzession. Ein Gedenkstein im Park von Panker erinnert an das fürstliche Reittier und damit an die Abmachung.

Erst machten Adlige und Diplomaten in der "Ole Liese" Rast, wenn sie das Herrenhaus Panker besuchten. Bald kehrten auch die ersten Reisenden ein. Denn die landschaftlichen Reize der Gegend zogen seit jeher Besucher an, vor allem auch Künstler und Maler, die den Blick über den Selenter See oder den Großen Binnensee mit der Hohwachter Bucht einfangen wollten.

Ruhig und gediegen wirkt die Atmosphäre, wenn der Gast zur "Ole Liese" vorfährt. Durch den Sommervorgarten kommt man in die rustikale, sehr gemütliche Gaststube - auch ideal, um Feste zu feiern. Eine geradezu liebevolle Stimmung herrscht in dem Haus, was vor allem ein Verdienst der Pächter Tina und Detlev Schulz. Sie strengen sich an, jeden Gästewunsch charmant zu erfüllen. Beide haben das Hotelfach von der Pike auf gelernt und sich im Hamburger "Atlantic" kennen gelernt.

Beide bemühen sich um ein zwangloses Ambiente. "Wir wollen Top-Qualität in entspannter Atmosphäre." Das gelingt im geschmackvoll eingerichteten Restaurant hervorragend. Küchenchef Michael Becker hat zuvor in Lübeck, im "L'Etoile" in Eutin und in der "Krone" in Asmissen an seiner Kunst gefeilt. Die Karte wechselt alle 14 Tage. Als Vorspeise war die "Mousse von grünen Tomaten mit gebratenen Langustinen und Ginschaum" ebenso tadellos wie die "Gänseleberterrine mit Rhabarber-Apfel-Chutney". Als Hauptgang kam der "Maibockrücken im Wirsingmantel mit glasiertem Frühlingsgemüse" gut an. Beckers Können hat seinen Preis. Wer günstiger essen möchte, sollte mittags kommen oder im Garten Kaffee und Kuchen bestellen.

Neben den sieben Zimmern im Altbau gibt es seit Mai 13 weitere in einem Neubau gegenüber, alle nach Reb- und Weinsorten benannt. Das Interieur ist im "Panker-Design" gehalten. Die Möbel in Pastelltönen zeigen einfachen, von skandinavischer Klassik inspirierten Stil. Das gibt den Zimmern eine luftige Anmutung. Ein erhebendes Gefühl, wenn man morgens die Vorhänge wegzieht und auf eine Idylle blickt: grasende Trakehner auf der Koppel.

Vergessen wir nicht die Schlosskapelle auf dem Gelände, in der Mutige sich auch trauen lassen können, sowie das Torhaus. Es beherbergt eine Galerie, die sich zu einem Treffpunkt von Künstlern sowie von Kunstfreunden entwickelt hat. Vicco von Bülows Eintragung im Gästebuch spricht Bände. Loriot schrieb: "Hier möchte ich eigentlich nie wieder weg." Beneidenswert der Gast, der wie Loriot auch den Nachtrag schreiben kann: "Ich bin schon wieder da.""

erschienen am 30. August 2003

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